Was hat Mode mit dem Racetrack zu tun? Nichts – und doch alles. Und was hat ein schwarzer 911 GT3 RS mit der F+F Schule für Kunst und Design gemeinsam? Mehr, als man denkt, jedenfalls dann, wenn man sich mit der Jungdesignerin Noemi Nuñez unterhält, die mit ihrem Modeprojekt «Lines of Speed» einmal mehr zeigt, dass Porsche keine gewöhnliche Automarke ist, sondern Menschen auf viele Arten zur Umsetzung ihrer Ideen und Träume inspiriert. Im Gespräch haben wir mehr über ihre Kollektion erfahren, bei der sie das, was einen Sportwagen ausmacht, erst dekonstruiert hat, um dessen Essenz in textiler Form neu zusammenzusetzen. Klingt spannend? Lesen Sie selbst.




Kannst du uns dein Projekt in wenigen Worten vorstellen?

Ich habe mich bei meiner Arbeit vom 911 GT3 RS inspirieren lassen, vor allem von den aerodynamischen Formen und der Geschwindigkeit des Fahrzeugs, hinzu kommen die Materialien, die aussen wie im Innenbereich verwendet werden, also auch Details wie Nähte und Stoffe. Diese Elemente habe ich gewissermassen auseinandergenommen und sie dann neu interpretiert.


Und wie kamst du auf Porsche?

Mein Freund ist Kunde im Porsche Zentrum Zug und so kam der Kontakt zum Porsche Zentrum zustande – und die tolle Unterstützung. Aber unabhängig davon hat mich der GT3 RS mit seinen technischen Details mehr inspiriert als andere Fahrzeuge. Vor allem durch seine aerodynamischen Qualitäten, es fasziniert mich, bei der Fahrt zu erleben, wie Luft so viel Anpressdruck erzeugen kann, dass man wie auf Schienen fährt.


Und dieses Gefühl hast du in die Kollektion übersetzt?

Ja, es ist meine Interpretation des Fahrzeugs, ich habe den Porsche sehr stark mit in den kreativen Prozess reingenommen, bis ich irgendwann gemerkt habe, dass ich das Fahrzeug wieder ein bisschen loslassen muss, das haben mir auch meine Dozenten gesagt, damit es auch wieder Kleidung wird, zuerst wollte ich eine Pneuhandtasche und einen Spoilerrucksack machen, doch dies war dann zu «viel» Auto und zu wenig Mode.


Aber bei den Materialien bist du nah am Sportwagenthema geblieben?

Ja, ich habe bei meinen 5 Outfits zum Beispiel Chrom-metallic-Stoffe verwendet. Oder auch Symbole wie die Chequered Flag aufgegriffen. Das Outfit «Drift Motion» ist inspiriert von einem Rennoverall in Bewegung, der sich wie Benzin/Öl im Wasser verteilt: flüssige Farben, schimmernde Muster, ein unruhiges, vibrierendes Bild. Das Outfit «Aeroflow» beschreibt den Moment, in dem Stoff wie Luft an einem Körper entlangstreicht. Die Form erinnert an einen Porsche von oben: schmal in der Mitte, fliessend an den Seiten, wie ein eng geschnürter Körper. Hier geht es um Präzision und Kontrolle. Jeder Zentimeter folgt einer Linie. Nichts flattert, alles gleitet. Das ist Geschwindigkeit, die flüstert.


Sehen wir deine Kollektion bald bei Porsche Fahrern?

Meine Kollektion ist eher für den Runway gemacht, es ist eine abstrakte Mode, aber manche Teile könnte man auch einzeln verkaufen, zum Beispiel die Taschen oder die Chequered-Flag-Hose, weil sie alltagstauglich sind.


Hättest du Lust, auch mal einen Rennoverall für Porsche zu designen?


Tatsächlich habe ich für meine Kollektion unter anderem einen Overall auseinandergenommen und Schnittteile davon benutzt. Aber ja: Ich würde sehr gern meine eigene Vision einbringen. Das Ergebnis würde dann sicher etwas sehr Eigenes als Extra haben.


Und wärst du gern auch Sportwagendesignerin?

Ja, ich könnte mir gut vorstellen, auch Sportwagendesignerin zu werden, das würde mich sehr reizen. Durch meine Lehre als Drucktechnologin Fachrichtung Siebdruck EFZ habe ich ein gutes Gespür für Farben und die richtige Farbenwahl entwickelt und mit meinem jetzigen Studium habe ich zusätzliche Erfahrungen mit Nähten, Schnitten, Strukturen und Materialien gesammelt – diese Kombination wäre perfekt, um etwas Einzigartiges im Sportwagendesign zu schaffen.


Wenn du mal nicht Mode machst – welchen Porsche würdest du am liebsten fahren? Und wo?

Der 911 GT2 RS wäre nach meinem Geschmack oder ein 911 Turbo S Cabriolet, am liebsten irgendwo auf einem Pass in den Bergen. Für neue Inspiration und vielleicht meine nächste Porsche Kollektion.
Noemi Nuñez.
Noemi Nuñez (22) ist mit ihren italienisch-spanischen Wurzeln so kosmopolitisch wie die Schweiz. Erst kürzlich hat sie ihr Studium im Bereich Modedesign abgeschlossen, wir sehen das Ergebnis ihrer Abschlussarbeit, die in einem alten Parkhaus fotografiert wurde. Die gelernte Siebdruckerin sieht sich selbst im Spannungsfeld zwischen Mode, Technik und Innenarchitektur. Kein Wunder, dass ihre Arbeit von unterschiedlichsten Materialien inspiriert wird. Als Inspirationsquellen nennt sie Vivienne Westwood und Alexander McQueen, aber am Ende verfolgt sie vor allem ihre eigene Vision. Wenn sie nicht Designerin geworden wäre, dann wäre sie heute Rennfahrerin.
Credits.
Designer:Photographer:Videographer:Noemi NuñezAsia Lanzi, Jason ConzettBryan Schaffner, Noel Medina
Videographer BTS:Make Up & Hair:Models:Nils NaefNina Piede, Pedja KrsmanovicRaphael Gurschler, Luana Sallustio, Luljeta Ameti, Marc Maurer, Jeremia Schaltegger
Car:Assistance:Fotos Porsche Zentrum Zug:Timon HügliPatrizia Nuñez, Patricia CrivelliMike Wiss