Porsche 911 Turbo (996).
Modelljahr:
2003
Kilometerstand:
107‘002
Farbkombination:
aetnablau-zimtbraun
Restauration eines Porsche Classic Sportwagens.
Blaues Bijou.
Ein Meisterstück haben die Lackierer des Porsche Zentrum Zug mit diesem Projekt verwirklicht: Mit der Farbe Aetnablau und weissgoldenen Akzenten setzten sie einen 996 exklusiv in Szene und schufen ein Unikat der Sonderklasse.

Im Rahmen des 2025er-Wettbewerbs «Porsche Legends Alive» realisierte das Porsche Zentrum Zug ein besonderes 996 Modell: Original in der Farbe Sealgrau ausgeliefert, wählte das Lackzentrum ein elegantes Aetnablau, das perfekt zu dem Werksinterieur in Zimtbraun passt. «Das ist ein historischer Farbton bei Porsche aus den frühen Jahren, den es so auf dem 996 nie gegeben hat», verrät Classic Mechaniker René Böhme in Rotkreuz.  «Mit den Akzenten in Weissgold – die wir sogar bis ins Interieur dezent ein- und umgesetzt haben – ist daraus ein weltweit einmaliges Fahrzeug entstanden.»

Das war auch nötig, denn der 996 war «bunt», wie Böhme sagt. «Er war vermutlich wegen Kratzern rundum nachlackiert worden, und das nicht immer im selben Farbton. Sogar die Blenden über den Endrohren waren lackiert worden, obwohl dort gebürstetes Alu zu sehen sein soll.» Die Umlackierung war eine bewusste Entscheidung im Rahmen des Wettbewerbs und wurde in der Fahrzeughistorie dokumentiert. «Alles, was sichtbar ist, wurde blau lackiert, aber unter den Teppichen sieht man noch den alten Lack, und auch der Originalaufkleber wurde belassen, der Grau als Farbe ab Werk ausweist.»

Das besondere Augenmerk von René Böhme lag aber auf Rasselgeräuschen vom Motor. «Der Fehlerspeicher hatte eine Überdrehzahl registriert, und da schauen wir schon bis in die Zylinder und suchen nach möglichen Folgeschäden. Aber es war alles im grünen Bereich und nach dem Ölwechsel wurden die Geräusche dann gleich weniger.» Feine Späne im Getriebeöl erwiesen sich ebenso als normaler Abrieb, auch hier gab es einen Ölwechsel.

Neben dem auffälligen Lack bekam der Turbo noch einen Satz BBS-Felgen «Le Mans» in 19 Zoll spendiert sowie ein Gewindefahrwerk von Manthey. «Das wurde im Auftrag von Porsche entwickelt und ist somit originales Fahrzeugzubehör, das über Porsche bestellt werden kann. Damit liegt der 996 noch etwas tiefer. Optisch wird das noch unterstützt mit der Lackierung bis zu den Schwellern und zur Spoilerlippe, so steht er satt auf der Strasse», freut sich der Mechaniker. Und ist dank eines neuen Heckspoilers auch wieder originalgetreu unterwegs, «da hatte jemand ein chinesisches Billigersatzteil angeschraubt», wundert sich Böhme. 

Viele kleine Mängel musste er beseitigen, mit denen dieser Alltags Porsche bei ihm in der Werkstatt gelandet war. Zerkratztes Leder, funktionsloses Navi, zu wenig Kühlwasser – «alles nicht schlimm, aber man merkte, dass dieser 911 viel gefahren, aber wenig gepflegt worden war». Nach der Generalüberholung im neuen Lackdesign steht er jetzt dafür wieder wie eine Eins da – als echter Leistungsausweis des Teams vom Porsche Zentrum Zug.
Porsche 911 Turbo (993).
Modelljahr:
1998
Kilometerstand:
72‘932
Farbkombination:
indischrot-schwarz
Restauration eines Porsche Classic Sportwagens.
Rote Renaissance.
Im klassischen Indischrot wurde dieser 911 Turbo vom Porsche Zentrum Zug lackiert, um ihn wieder in seiner Originalfarbe strahlen zu lassen. Mit dem RS-Fahrwerk und der Werksleistungssteigerung ist der Turbo jetzt nicht nur eine Augenweide.

Wenn er die Vorher-nachher-Bilder des Porsche 911 Turbo (993) anschaut, staunt René Böhme immer noch. Denn als der zertifizierte Classic Mechaniker im Porsche Zentrum Zug den angekauften Turbo unter die Lupe nahm, gab es eine Überraschung. «Es war offensichtlich, dass er schlecht überlackiert war», erinnert er sich. Am schlimmsten präsentierte sich der Motorraum, den man einfach mit einer Spraydose schwarz «übergeduscht» hatte. Der Fall war klar: Bei der Instandsetzung sollte das 993 Modell sein originales Indischrot zurückbekommen. 

«Das war aufwändig», sagt Böhme knapp, als er von der Lackaufgabe berichtet. Wegen des guten Zustands sollte der Porsche nicht aufwändig zerlegt werden, aber eine vergleichbar gute Lackierung wie ab Werk erhalten. Motor, Tank und Radhäuser wurden ausgebaut, um alle schwarz lackierten Stellen zu erreichen. Danach wurde bis auf die Grundierung geschliffen und neu lackiert. «So haben wir jetzt ein einheitliches Lackbild, das nicht ganz so dünn ist wie ab Werk, aber gleichmässig», sagt Böhme zufrieden. Die moderne Infrarottrocknung im Lackzentrum sorgte für kurze Standzeiten und eine überragende Qualität. 

Während die Lackierer sich um die Optik kümmerten, beschäftigte sich Böhme mit der Technik. Bei seinem Classic Check vor der Instandsetzung hatte er mehr als 30 Positionen ausfindig gemacht, die nicht mehr dem Serienzustand entsprachen. Angefangen beim zu niedrigen Ladedruck der Turbos bis zum fehlenden Bordwerkzeug. Und zu dem nicht mehr vorhandenen Autotelefon, das ab Werk verbaut war. «Das vermisst sicher heute keiner mehr», sagt er schmunzelnd. «Daher haben wir die noch vorhandene Telefonantenne auf dem Dach ebenfalls entfernt.»

Neben vielen kleinen Technikmängeln, die beim grossen Service behoben wurden, waren die öligen Turbolader Böhmes Sorgenkinder. Am Ende hiess es «vorsorglicher Austausch», denn der geht bei ausgebautem Motor einfacher vonstatten. «Eine Komplettrevision war nicht nötig, der Sechszylinder lief am Schluss wieder sauber mit der richtigen Dynamik», erzählt Böhme. Auch für die hauseigene Sattlerei gab es Arbeit, um das wellige Leder auf den Türtafeln und der Hutablage zu glätten. Viel Arbeit für das ganze Team des Porsche Zentrum Zug. «Es hat sich aber gelohnt», sagt Böhme mit Stolz in der Stimme. «Dieser Turbo mit der Werksleistungssteigerung, den Sportsitzen, dem RS-Fahrwerk und den roten Ziernähten im Leder ist schon etwas ganz Besonderes. Schön, er sieht jetzt wieder so aus, wie er einst das Werk verliess.»