«Mein Job ist für mich keine Arbeit, sondern ein Hobby.»

René Böhme schraubt nicht einfach an Autos – er lebt sie. Als zertifizierter Classic Mechaniker im Porsche Zentrum Zug kümmert er sich mit grosser Hingabe um Fahrzeuge mit Geschichte. Im Gespräch erzählt der 41-Jährige von seiner Leidenschaft, seinem Weg von Leipzig in die Zentralschweiz – und davon, warum alte Porsche für ihn mehr sind als nur Technik.

 

René, wann hat deine Leidenschaft für Autos – und speziell für Porsche – begonnen?
Schon sehr früh. Laut meiner Mutter habe ich als Kind immer gesagt: «Wenn ich einmal gross bin, habe ich einen Porsche.» Die Marke hat sich irgendwie in meinem Kopf festgesetzt. Wenn ich einen Autokalender bekam, blieb am Ende immer das Bild mit dem Porsche an der Wand hängen.

 

Dein Weg führte dich von Deutschland in die Schweiz. Wie kam es dazu?
Ich stamme ursprünglich aus Leipzig. Nach dem Abitur wollte ich nicht studieren, sondern arbeiten und mein eigenes Geld verdienen. Also habe ich rund 60 Bewerbungen verschickt und eine Lehrstelle als Kfz-Mechaniker in einer kleinen Porsche Garage in der Nähe von Frankfurt gefunden. Später habe ich in verschiedenen Porsche Garagen gearbeitet, unter anderem auch im Rennsportbereich. Irgendwann bin ich über ein Jobinserat in die Schweiz gekommen: Der Rennstall FACH AUTO TECH aus Sattel SZ suchte einen Mechaniker mit Porsche Erfahrung. Ich habe mich beworben, wurde eingeladen – und kurze Zeit später hatte ich den Vertrag in der Tasche.

 

Wie sah dein Alltag im Rennstall aus?  
Das war eine extrem intensive Zeit. Ich war rund 20 Wochenenden im Jahr auf Rennstrecken in ganz Europa unterwegs – immer von Donnerstag bis Sonntag. Das war spannend, aber auch sehr fordernd. Das Privatleben kam zu kurz. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eine andere Balance brauche.

 

Und dann kam Porsche Zentrum Zug?
Genau. Als ich hörte, dass in Rotkreuz ein Porsche Zentrum eröffnet wird, habe ich mich sofort beworben. Ich hatte ja schon in der Lehre viel mit älteren Porsche zu tun. Seit der Eröffnung des Porsche Zentrums 2014 bin ich hier – und ich gehe wirklich jeden Tag gerne zur Arbeit. Wobei: «Arbeit» ist eigentlich das falsche Wort. Es ist für mich ein Hobby.

 

Du bist zertifizierter Classic Mechaniker der ersten Stunde. Was bedeutet dir das?
Sehr viel. Diese Ausbildung wurde damals neu eingeführt und ich war im ersten Jahrgang dabei. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, mich noch tiefer mit den klassischen Modellen auseinanderzusetzen. Und genau das liebe ich: diese alten Autos, ihre Technik, ihre Geschichte.

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag konkret aus?
Mein Job ist sehr vielseitig. Ich mache Wartungsarbeiten, technische Instandstellungen, bereite Fahrzeuge für die MFK vor, ersetze Teile oder überprüfe Autos von neuen Kundinnen und Kunden auf Herz und Nieren. Oft geht es auch darum, herauszufinden, was frühere Besitzer gemacht haben, was nicht immer einfach ist.

 

Warum nicht?
Weil viele dieser Fahrzeuge schon durch verschiedene Hände gegangen sind – und nicht immer waren das Profis. Da braucht es Erfahrung und ein gutes Gespür. Man muss verstehen, was das Auto «erzählt».

 

Du hast erwähnt, dass dir der Kontakt zu den Kunden wichtig ist.
Ja, absolut. Die Leute vertrauen uns sehr wertvolle Fahrzeuge an. Oft sind das Liebhaberstücke mit einer emotionalen Geschichte. Dieses Vertrauen ist nicht selbstverständlich. Deshalb hinterlege ich meinen Kundinnen und Kunden nach getaner Arbeit oft ein kleines Dankeskärtchen im Auto.

 

Gibt es ein Modell, das dir besonders am Herzen liegt?
Da gibt es viele. Wenn ich mich jedoch für ein Auto entscheiden müsste, wäre das wohl mein eigener Porsche Boxster 986. Mit dem Boxster habe ich sogar eine kleine «Blutsbrüderschaft» geschlossen (lacht).

 

Wie ist das passiert?
In der ersten Woche meiner Lehre musste ich hinter den Sitzen eine Abdeckung ausbauen, um an den Motor zu gelangen – bei diesem Modell ist das etwas speziell gelöst. Der Deckel sass damals ziemlich fest. Als ich ihn vorsichtig zu lösen versuchte und er plötzlich nachgab, bin ich mit dem Unterarm an eine scharfe Kante geraten. Das ging alles schnell, doch die Narbe erinnert mich bis heute daran (lacht). 

 

Was macht den Reiz dieses Modells sonst noch aus?
Die Balance stimmt einfach: Der Motor sitzt am richtigen Ort, die Gewichtsverteilung ist optimal, was sich vor allem auf kurvigen Pässen bemerkbar macht. Ob Brünig, Susten, Furka oder Gotthard – dort spielt das Auto seine Stärken voll aus. Dieses Zusammenspiel von Technik, Strasse und Landschaft ergibt ein Fahrgefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt. Für lange, gerade Strecken ist er dafür – sagen wir mal – eher nicht gemacht (lacht).

 

Du arbeitest täglich an klassischen Porsche mit traditionellen Antrieben. Wie blickst du auf die Elektromobilität? 
Für die Stadt und kurze Strecken finde ich es sinnvoll. Aber ich sehe auch die Herausforderungen, zum Beispiel bei der Herstellung der Batterien. Für lange Strecken bin ich aber nach wie vor ein klarer Fan klassischer Antriebe. Die alten Autos haben einfach sehr viel Charme.

 

Was ist für dich das Besondere an einem Classic Porsche?
Es geht nicht nur darum, von A nach B zu kommen. Diese Autos haben Charakter, Geschichte, Emotionen. Wenn man das nicht versteht, fehlt etwas Entscheidendes in diesem Beruf.

 

Du arbeitest oft im Detail. Was bedeutet Perfektion für dich?
Sehr viel. Aktuell restauriere ich den Motor eines Porsche 964 WTL. Da wird alles zerlegt, überarbeitet, neu aufgebaut. Mir ist wichtig, dass am Ende jedes Detail stimmt – bis hin zur richtigen Verzinkung der Schrauben. Wenn ich etwas mache, dann richtig und ohne Kompromisse.

 

Kommst du eigentlich auch selbst dazu, die Klassiker zu fahren?
Ja, bei Probefahrten. Das ist für mich immer ein besonders schöner Moment – quasi der Abschluss der ganzen Arbeit. Wenn alles funktioniert, wie es soll, spürt man jede einzelne Handbewegung, die man vorher gemacht hat. Das macht einen dann schon ein bisschen stolz.

 

Und wenn du mal nicht in der Werkstatt stehst?
Dann bin ich oft draussen. Ich gehe gerne wandern, fahre Motorrad oder bin mit meinem Boxster unterwegs. Ich liebe die Berge – aber auch das Wasser; vor einiger Zeit habe ich sogar die Motorbootsprüfung gemacht. Zudem koche ich sehr gerne. Langeweile kommt bei mir somit auch ausserhalb der Werkstatt so schnell nicht auf. 

 

Zum Schluss: Was treibt dich an?
Ganz einfach: die Leidenschaft. Ich kann hier etwas machen, das nicht jeder kann – und genau das erfüllt mich. Es ist dieses Zusammenspiel von Handwerk, Technik und Gefühl für die Autos. Am Ende des Tages oder einer Arbeitswoche zu sehen – oder besser gesagt zu spüren –, was man geschaffen hat, das ist für mich die grösste Motivation.